Geschichte(n) zur Schweizer Velo-Branche

Geschichte(n) zur Schweizer Velo-Branche 2019-10-04T20:33:42+02:00
DT bedeutet Drahtwerke Biel Treffillerie Bienne. 1634 wurde beim Austritt der Schüss aus der Taubenlochschlucht eine Drahtzugschmiede  mit Wasserrad errichtet zur Herstellung von Stahldrähten und Bandstahl. Später begann man mit der Herstellung von Fahrradspeichen DT und Veloschutzblechen und deren Streben unter den Marken DT inoxidable (rostfrei) und Bienneinox. 1990 wurde der Drahtzug eingestellt und die Firma in eine Immobiliengesellschaft umgewandelt. Ein Management Buyout unter DT Swiss ûbernahm nur die Speichenfabrikation, entwickelte Felgen, Naben, Laufräder und Dämpfer. Heute gilt DT Swiss als Hidden Champions mit Verkaufsniederlassungen und Fabrikationswerken in 5 Ländern.
 

Die Marke RESALB rückwärts gelesen ergibt Blaser. Blaser gründete anfangs der 1950er Jahre die Blaser Velobestandteile en gros in Basel durch Übernahme der Grüter in Seon AG, wo er  als Handelsreisender angestellt war. Zu Beginn liess Blaser bei mechanischen Zuliefererbetrieben Verschleißteile von 3-Gangnaben, Rücktrittnaben, EDCO VR- und HR-  

Naben, Brems- und Übersetzungskabel usw herstellen als sog preisgünstige Imitationsteile. Bei einem Lohnauftragsfertiger in Grenchen; welcher in Velobeleuchtung u Velofelgenbremsen diversifizierte; übernahm er die Montage nach Basel und weil näher bei den Fachhändlern den Verkauf dieser “ Roadmaster“ Produkte.Er begann mit der Konfektion von Velos „Resalb“ welche er en Detail in Basel verkaufte. Durch Inserate im „Baselstab“ zog er an Wochenenden Velo-Discountverkauf zum Ärger der SFMG- Fachhändler auf.  Unmittelbar nach dem Konkurs um 1960 gründete seine Partnerin in Ormalingen BL die Velofabrik RESALB R. Kalt. 
Grösstenteils konfektionierte er Fahrräder der Marke „Leopard“ für einen Grossverteiler und unter versch Marken für Warenhäuser. Der SFMG-Verband gab die Empfehlung ab „Geschäftsbeziehung abbrechen“ an seine Mitglieder, weniger erfolgreich an Produzenten und Grossisten von Fahrradteilen. In Ormalingen begann Blaser mit dem Rohrschlossern u Emailieren von Trottinets. Velos Marke RESALB konnten nur noch an Feierabendhändler geliefert werden. Blaser bzw Rosa Kalt übernahmen eine Fabrikationshalle in Buttishol LU wo eine Rahmenfabrikation aufgezogen wurde. Diese Fabrik wurde später an Villiger Cigars  verkauft, welche die Fachhändler belieferte.
 

Cyclo Porrentruy hatte als Markenschild ein schwarzes Wildschwein auf weissen Grund abgeleitet vom Sanglier des Stadtwappen .  

Cyclo fertigte Velorahmen u Veloanhänger.Velos und Anhänger wurden durch Direktlieferung in die ganze Schweiz  verkauft. In Wochenzeitungen wie Ringiers Allg Volkszeitung,  landwirtsch Blättern usw erschien ständig eine kleine Anzeige eines Velos mit Anhänger beladen mit Milchkannen (sog Käsereigespann). Cyclo konnte wegen Empfehlung des SFMG- nur Feierabendhändler beliefern. Konnte sich jedoch immer mit Komponenten auf dem Markt eindecken.
Das Verkaufen lockte immer Velokomponente-Hersteller und Grossisten in den Graumarkt.
 

Vor dem 2. Weltkrieg waren die CH-Velos mit SA Sturmes Archer 3-Gangnaben od F&S Fichtel und Sachs Torpedo Rücktrittnaben ausgerüstet. 1940 erwarb SC Scintilla Solothurn für 15 Jahre  die Lizenz zur Herstellung der SA 3-Gangnabe. Nicht durchsetzen könnten sich die Konstruktionen von VIBO VIs et Boulon SA Yverdon und  SIS Societe Industriel der Sonseboz. Vorteil der SC-Nabe waren die vorhandenen Sturmey Archer Verschleissteile bei den Fahrradhändlern. Die Scintilla-3-Gangnabe wurde unter der Marke  „X“ vertrieben.
Während den Kriegsjahren wurden Torpedo-Naben praktisch nicht mehr verbaut. Die erhaltenen Rücktrittnaben wurden bei Böhni in Feldbach mit einer Trommelbremse ergänzt für die Ordonanzvelos.
 

Motosacoche  

Ende der 1920er Jahre waren Motosacoche-Rennmotorräder dominant in den Grand-Prix der grossen Hubraumklassen und die MAG- Motoren(Motosacoche Acacias Geneve) der meist verbaute Motor in Europa der Motorrad- Konfektionäre. Bei  Beginn der 1930er Krisenjahren musste Motosacoche finanziel saniert werden wegen Produktionsrückgang auf einen Bruchteil. Nebst Aufnahme von Leichtmotorrädern  mit engl. Villiers-Motoren wurden Velos der höheren Preisklasse hergestellt.Nach dem Krieg sah ich kein Originalvelo welches nicht die gelbbraune Motosacoche-Farbe aufwies. Im Motorradfahrer-Jargon hundsdreckfarbig genannt. MAG stellte viele Velokomponente selbst her auf Grund ihres Maschinenparks.Bei Beginn des Kriegs wurde die Velofabrikation schon wieder zu Gunsten des Motorenbaus  eingestellt. Die Gemeinden schafften Motor-Feuerwehrspritzen an und die Armee brauchte Motoren für Notstromaggregate und vieles Andere. Nach dem Krieg lieferte MAG quasi für alle CH- Fabrikanten von Motormähern und Einachstraktoren die Verbrennungsmotoren. Ausser von Bucher Niederweningen = Universal Oberrieden. Die Produktion von Motoren wurde in den 1980er Jahren eingestellt und das Markenrecht nach Japan verkauft.
 

Van Leisen Genf war wohl der erste Velohersteller in CH noch vor Gebr Scheffer in Courfaivre. 1875 baute er in seiner Schlosserei  ein Dampfdreirad mit 2 Plätzen, welches später nach Paris verkauft wurde und in Paris im Verkehr stand. Ab 1881 bestellte er in England Hochräder und baute diese verbessert in seiner Werkstatt nach. Dasselbe geschah mit Niederräder. Beim Aufkommen der Velos als Gebrauchsgegenstand konfektionierte er Velos unter der Marke L’Ideale Van Leisen Geneve. Markenschild ist im Internet unter Van Leisen auffindbar. Van Leisen war in CH während Jahrzehnten ein bedeutender Generalimporteur von Engl. Motorräder. Die Firma wurde 1992 aufgelöst.
 

Marke Hyspa Bern von Freivogel u Marti .

In den 1930er Krisenjahren fanden die Bundesbehörden es notwendig Massnahmen gegen die Alkoholsucht und das Herumlungern der vielen Unterbeschàftigten zu unternehmen. Neben Arbeitsprogrammen u Vorschriften führte man in Bern die längere  Schweiz. Ausstellung Hyspa Hygiene und Sportausstellung durch. Praktisch alle Turn- u Sportverbände demonstrierten sich Tage lang auf der Allmend. Diese Ausstellung war die Namensgebung für die Marke des Berner Grossisten u Velokonfektionärs.
F+M redigierte und führte nach dem Krieg lange Zeit den 2sprachigen Collectif Katalog für die SFMG- Händler (Schw. Fahrrad und Motorrad-Gewerbe). Angeschlossenwaren am Collektiv fast alle Branchengrossisten (anfangs ca. 50 an der Zahl) Ausser die größten Produzenten mit eigenem Rahmenbau und die paar schwarzen Grossisten welche die Feierabendhändler  und Warenhäuser belieferte nicht.  Bis ca 1965 war Feierabendhändler (benannt nach den Öffnungszeiten) ein Nebenerwerb zur finanzellen  Besserstellung. Im Collectif waren alle Velobestandteile mit Photo Bestell Nr Verkaufspreis und versteckt in der Bestell Nr der Ankaufspreis aufgeführt.
 

Um 2 Branchenkonkurenten in der gleichen Ortschaft beliefern zu können hatte Paul Fries Rico Fahrradwerke Wallisellen noch die Fa Zucker Phillip an der Bäckerstrasse Zürich zum Vertrieb der Helvetia Fahrräder. Nicht zu verwechseln mit Helvetic Velos von  der Sport AG Biel später Velectra AG. Diese stellte die Phoebus Velobeleuchtung , Sport-Felgenbremsen ,Mutaped  Tretlagergetriebe und Biennophone Radios (und kurzer Versuch mit  TV) her . Die Rahmen wurden von Zesar Nidau bezogen im Austausch gegen Beleuchtung und Felgenbremsen für für die Zesar-Velos . Zesar stellt heute im Berner Jura Stahl-Schulpulte her . Mutaped -Getriebe war zu schwer um auf dem Markt zu bestehen .
 

Das Emailierwerk  Horlacher Solothurn  fertigte mit eingekauften , aber selbst gespritzten Rahmen die Vampire Velos ( erster Düsenjet der CH Luftwaffe). Nach dem Krieg wurden viele Velos durch emailieren aufgefrischt und mit neuer Pneumatik und Kette bestückt. Ein neues Velo kostete ein Arbeiter-Monatslohn von ca 350 Fr. War ein häufiges Tàtigkeitsfeld der 2-Radmechaniker und von Horlacher. Dieser kaufte spàter die Aarios  Fabrik in Aarau. Späterer Besitzer baute in Gretzenbach SO ein neues Gebäude. Nachdem  die Hoflieferanten des Bundes Condor u Cosmos eingegangen wären kam Ramel noch kurz zur Lieferung an die Post als letzter Stahlrahmenbauer bevor die Piaggio 45km/h Mopeds eingeführt wurden.
 

Das Hermes Werk Bernasconi Chiasso baute die Rahmen selbst für ihre Velos HEWE. Bekannt für ihre ganz geschlossenen Ketten Kästen aus Stahlblech in Rahmenfarbe gespritzt anstatt Aluminium roh. In den 1950er Jahren hatte HEWE immer einen Stand an der MUBA zur Händlerpflege diesseits des Gotthards. Da in der Tessiner Ortschaft nicht 3 Händler die Marke HEWE führen wollten kreierte man die Nebenmarken Giro del Ticino und Monte Bre. Sieber Räumen baute man im TI auch für Technische Bedarfs AG Tebac. Farroppa war im TI ein Konfektionär.
Beeler Fahrradrahmenfabrik Kriens Hubertus: Velos Luzern: Springender weisser Hirsch als Markenschilds.
 

Den Brand Tigra z.B. verkaufte der waadländer Gründer an die Masch.Fabr. Gränichen, welche diese nebst Standart führte. Weiter ging der Brand an Gretener Cham/ Sursee. Von  dort an Villiger Buttisholz (früher Kalt Resalb) und schlussendlich an USA Trek Niederlassung CH . Tigra ist wohl inaktiv  im Eidg. Markenregister käuflich abgelegt wie viele Marken wie z.B. Swissair.
 

Der Velogrossist Bregger u Co in der Wengistadt Solothurn (Niklaus Wengi Stadtamann in Solothurn vermittelte in den Reformationswirren in der Stadt) konfektionierte die Wengi- Velos mit zugekauften Rahmen. 
Nur ca 10% aller CH Velomarken stellten die Rahmen selbst her. Eigenheit CH Velos ist der mit +GF+ Muffen (Georg Fischer Schaffhausen) hartgelötete Rahmen. Im Ausland wurden Rahmenrohre ohne Muffen verschweißt, was umfangreiche Fabrikationsvorrichtungen bedingte, kostenbedingt grosse Serienstückzahlen. Gemuffte Rahmen wurden vor dem Hartlöten einfach zusammengesteckt.
Die Marke Eiger wurde  zuletzt von der Via Handels Bern konfektioniert bis zur Firmenliquidation.
Tigra Velos wurden in VD von einem früheren Kadermann der Jan SA (Cilo) konfektioniert. Aus Erfahrung bei Cilo gründete er beim Start eine sehr erfolgreiche Profirennmannschaft, was für den Verkaufserfolg beitrug.